EMDR4. Wie wirkt sich EMDR aus; was muß beachtet werden? |
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Ich habe EMDR in einer Klinik
gemacht. Hier wurde äußerst großer Wert auf Sicherheit
gelegt. Die Technik ist körperlich und psychisch ungeheuer anstrengend.
Nach der Sitzung können Erinnerungen und Flashbacks auftauchen. Es
wurde streng darauf geachtet, ob die betreffende Patientin stabil genug
ist, mit solchen Nebenwirkungen ggf. umzugehen. Nach meiner Erfahrung wurde das EMDR sehr vorsichtig angewandt. In der Klinik hatte ich erst mal zwei Monate Zeit, um Imaginationen und andere Stabilisierungstechniken zu trainieren. Insbesondere wurden der sichere Ort und der Tresor geübt. (Siehe Kapitel Imaginationen) Es gab täglich Übungs- Angebote. Dazu lernte ich Qi Gong und autogenes Training. Zudem war die Auffassung dort eher streng bezüglich jeglichen selbstzerstörerischen Verhaltens. Man musste z.B. in der Lage sein, über längere Zeit völlig auf SVV zu verzichten. Das wurde damit begründet, dass während der EMDR- Behandlung das SVV - Verlangen sich extrem verstärken kann und evtl. gar nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist, wenn vorher nicht ein gewisses Maß an Kontrolle da ist. Erst als ich mich innerlich gefestigt fühlte und auch von außen so eingeschätzt wurde, begannen die Vorbereitungen auf das EMDR. Die Technik wurde genau erklärt, und die Nebenwirkungen geschildert. Nebenwirkungen können z.B. sein, dass durch die EMDR - Sitzungen neue verschüttete Erinnerungen als Flashbacks auftauchen. Es kann sein dass zunächst auf eine Sitzung mit Depression, Angstzuständen usf. reagiert wird. Das kann aber mit der Zeit nachlassen. Ich musste einen Plan aufstellen, was ich im Notfall unternehmen werde. Dazu wurde festgelegt, dass ich nach den Sitzungen jederzeit die Möglichkeit habe, mit einer Therapeutin zu sprechen. Was noch wichtig ist: Ich hatte jederzeit die Möglichkeit, die Behandlung abzubrechen. Ich habe das auch nach drei Sitzungen getan, weil die Angst vor der jeweils nächsten Sitzung zu groß wurde. Das wurde sofort bedingungslos akzeptiert. Mir persönlich ging es nach den EMDR - Sitzungen erst mal ziemlich schlecht. Ich war erschüttert über die überwältigenden Gefühle, hauptsächlich Schmerz und Einsamkeit und das Gefühl gar nichts wert zu sein, die während der Sitzungen hochkamen. Das alles hatte ich komplett verdrängt und es wieder zu fühlen tat sehr, sehr weh. Ich habe auch gemerkt dass ein immenser SVV - Druck bestand, obwohl wir das vorher schon lange nicht mehr gemacht hatten. Ich fühlte mich aber im Rahmen der Klinik sehr sicher aufgehoben, konnte jederzeit mit Schwestern und TherapeutInnen reden und fand Trost. Mit den Erinnerungen, die ich in den wenigen Sitzungen bearbeitet habe, habe ich heute tatsächlich einen ganz anderen Umgang als früher. Es sind "nur" noch Erinnerungen, die mich nicht mehr sehr belasten. Was mich insbesondere beeindruckt hat: bei mir hat die Umdeutung der negativen Selbstaussage in eine positive gut funktioniert. Eine Selbstaussage war z.B.: "Ich bin scheiße". Das kam in allen möglichen schwierigen Situationen und Konflikten hoch, ich war davon überzeugt und es war sehr quälend. Wenn diese Selbstaussage bzw. Überzeugung heute auftaucht, taucht auch sofort das Gegenstück auf, das ich in einer EMDR - Sitzung entwickelt und verankert habe: "ich bin okay". Natürlich gerate ich noch häufig in Selbstzweifel oder Selbsthaß. Aber das ist nicht mehr so festgefressen, es steht dem noch eine andere Selbstaussage gegenüber. Es wurden in den EMDR - Sitzungen
nur meine Erinnerungen bearbeitet. Alles, was von anderen Personen in
mir erinnert wird, blieb abgeschottet. Es wurde damals auch nicht erkannt,
dass wir mehrere sind. Ob EMDR grundsätzlich für Multis geeignet ist, bezweifle ich. Ich denke es muss sehr viel Wert darauf gelegt werden, dass die innere Verständigung klappt. Dass es bei uns gut gegangen ist, liegt denke ich daran, dass hier ein echt hartes aber gutes Sicherheitssystem am Werk war. Es ist nicht ausgeschlossen dass bei EMDR ein solches Sicherheitssystem zusammenbricht, denn durch die Sitzungen wird die innere Abwehr ganz schön aufgeweicht. (Taras) |
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Zuletzt aktualisiert am
17.04.2003