| Trauma
und Dissoziation
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Eine vereinfachte Definition von Mißbrauch wäre: Jede Handlung, die an jemandem antut ohne dessen/deren volle und wohlinformierte Zustimmung. Ich nenne das zum Teil deshalb vereinfacht, weil nicht definiert wird, was Zustimmung ist.
Allgemein gesprochen: Mißbrauch ist schädlich. Es gibt einige Handlungen, die einige mißbräuchlich finden, die subjektiv weder für den Täter noch für das Opfer des Mißbrauchs verletzend erscheinen.
Es wird geschätzt, daß 1/4 der
Bevölkerung der USA auf die eine oder andere Weise mißbrauch
worden sind (oder irgendwann in ihrem Leben mißbraucht werden werden).
Weil Mißbrauch oft sowohl vom Täter als auch vom Opfer verborgen
werden, gibt es zur Zeit keine realistische Methode, festzustellen, wieviel
Mißbrauch tatsächlich vorkommt, die übliche Dauer dieses
Mißbrauchs, das Geschlecht von Mißbraucher und Mißbrauchtem
und so weiter; es sind viele Studien zu diesem Thema durchgeführt
worden und sie haben viele widersprüchliche Ergebnisse hervorgebracht.
Körperlicher Mißbrauch fügt direkten körperlichen Schaden zu: Schläge, Auspeitschen, Boxen, Treten, Kratzen und dergleichen. (Damit sind natürlich nur die unfreiwilligen Formen gemeint, einverständliche Handlungen dieser Art stellen keinen Mißbrauch dar.)
Sexueller Mißbrauch sind sexuelle Handlungen, die ohne Einverständnis des Partners vorgenommen werden. (Anm. d. Übers.: das gilt nicht für Kinder, diese sind nicht in der Lage ihr Einverständnis - oder das Gegenteil - zu solchen Handlungen gegenüber einer Autoritätsperson auszudrücken) Die Bandbreite reicht hier von Berührungen ohne Einverständnis bis hin zu Geschlechtsverkehr. Sexueller Mißbrauch geht häufig mit körperlichem Mißbrauch einher, wie bei Vergewaltigungen.
Manche Menschen glauben, daß jeder sexuelle Kontakt mit Kindern automatisch sexueller Mißbrauch ist. Die Definition von "Kind" ist dabei unterschiedlich, aber offensichtlich sind sich die meisten Menschen einig, daß ein Mensch vor der Geschlechtsreife ein Kind ist.
Manche Menschen halten auch den unangemessene verbalen Umgang mit Sexualität, besonders gegenüber einem Kind, für sexuellen Mißbrauch. Ich würde das eher dem emotionalen Mißbrauch zuordnen, aber es kann in der Tat Mißbrauch sein.
Sexueller Kontakt zwischen Verwandten ist Inzest, und er ist dann sexueller Mißbrauch, wenn es sich z.B. um Eltern und Kind handelt.
Emotionaler/verbaler Mißbrauch ist etwas schwerer zu definieren, aber eine einfache Definition würde einschließen: Beschimpfung, Herabsetzung und ähnliches. Jemandem andauernd zu erzählen, er wäre wertlos ist ein Beispiel für emotionalen Mißbrauch. Jemandem sagen, er wäre nicht liebenswert ebenso. Auch die Vorenthaltung von Zuneigung/Zärtlichkeit gehört dazu. Jemanden so zu manipulieren, daß er genau tut, was der Manipulator will, ist ebenfalls emotionaler Mißbrauch ("Würdest du mich lieben, würdest du x tun." "Wenn du das nicht machst, bist du wertlos.")
Ritueller Mißbrauch, gewöhnlich aus religiösen Gründen, wird von vielen Menschen verleugnet; jedoch glaubt der Autor, daß er tatsächlich vorkommt. Ritueller Mißbrauch ist körperlicher, sexueller und/oder emotionaler Mißbrauch im Kontext von religiösen Riten, z.B. Vergewaltigung als Bestandteil eines solchen Ritus.
Religiöser Mißbrauch ist nicht nur Ritueller Mißbrauch, auch wenn religiöse Themen benutzt werden, um körperlichen, sexuellen oder emotionalen Mißbrauch zu rechtfertigen. Zum Beispiel wenn man körperlichen Mißbrauch damit rechtfertigt, daß das Opfer "böse" sei.
Finanzieller Mißbrauch ist die Kontrolle
der Finanzen einer Person mit allen Mitteln, eingeschlossen Geld für
Essen, Kleidung, Unterkunft, "Taschengeld" und ähnliches. Diese Form
von Mißbrauch tritt oft zusammen mit anderen Formen auf; z.B. jemanden
unter Androhung von Schlägen zwingen, einen Scheck zu unterschreiben.
Manchmal sind es von außen sichtbare Narben und Verstümmlungen, Unfruchtbarkeit, Schwierigkeiten, ein Kind auszutragen, Hinken, auch extreme Verstümmlungen wie fehlende Gliedmaßen, Blindheit oder Lähmung. Die extremste Auswirkung geht bis zum Tod des Opfers, und das kommt tatsächlich vor.
Die psychischen, mentalen Auswirkungen sind unüberschaubar.
Am häufigsten sind niedrige Selbstachtung und Depression, manchmal kurzfristig, manchmal umfassend und andauernd. Überlebende von langandauerndem Mißbrauch leiden unter regelmäßigen Panikattacken, Erinnerungsverlust, Flashbacks des Mißbrauchs (Anm.: Flashbacks sind blitzartige Rückblenden, in denen das früher Erlebte nochmals mit allen Gefühlen, Ängsten etc. erlebt wird, und zwar so, als würde es gerade in diesem Moment nochmals geschehen.); die Unfähigkeit anhaltende, gesunde Beziehungen zu pflegen; Behinderung der sexuellen Funktionsfähigkeit; extreme Ängste und (selbst-auferlegte) soziale Isolation. Dissoziation ist ebenfalls eine weitverbreitete Folge von Mißbrauch - von leichten bis zu sehr schweren Ausprägungen. Andere Neurosen und Psychosen finden ihren Ursprung ebenfalls häufig in Mißbrauch.
Mißbrauch als Kind, selbst wenn er
nicht sehr schwer ist, ist subjektiv oft viel schlimmer als Mißbrauch,
den man als Erwachsener erfährt. Häufig treffen wir Erwachsene,
die als Kinder mißbraucht wurden, und die ihr Erwachsenenleben nicht
meistern können, aufgrund der Tiefe ihrer Depression, ihrer außerordentlich
niedrigen Selbstachtung, und manchmal aufgrund der extremen Ausprägung
von Dissoziation, die so üblich ist für mißbrauchte Kinder.
Mißbrauchte Kinder wachsen oft mit wenig oder keinem Sinn für
den Wert ihres Selbst auf, und häufig beginnen sie, sich selbst zu
verstümmeln oder sie verhalten sich selbstzerstörerisch, wenden
sich Suchtmitteln und (oft unbewußt) mißbrauchenden Partnern
zu. Auch exzessives und der eigenen Gesundheit gegenüber rücksichtsloses
Sexualverhalten kommt vor. Manchmal steht am Ende der Selbstmord.
Traumatische Ereignisse sind rein subjektiv; womit eine Person vielleicht umgehen kann, macht eine andere hysterisch. Wie auch immer, einige verbreitete Formen von Trauma sind:
Ich erwähne Stress hier nur, weil
bekannt ist, daß extremer und/oder langanhaltender Stress zu einem
gewissen Grad an Dissoziation führen kann. Tatsächlich kann sogar
eine kleine Menge Streß zu schwacher vorübergehender Dissoziation
führen.
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Zuletzt aktualisiert am 13.03.1999 - http://dissoziation.org