Worum geht es hier eigentlich?
Die dissoziative Persönlichkeitsstörung ist eine umstrittene und oft mißverstandene Diagnose. |
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Mailingliste - Ronja -Anonym1 - Mischa & Co. - Anonym2 - Rakaya
Es handelt sich um Gedächtnisluecken, Zeitverluste, Depersonalisierung, Mehrfachpersönlichkeiten, Unwirklichkeitsgefühle oder ähnliche Symptome. Die voll ausgeprägte Form dieser Störung wird im Diagnosehandbuch ICD 10 der WHO "Multiple Persönlichkeit" genannt. Im amerikanischen Handbuch DSM IV lautet die Bezeichnung Dissoziative Identitaetsstörung (englisch:Dissociative Identity Disorder, DID). Dissoziative Störungen entstehen meistens (oder immer?) durch Traumata, meist in der frühen Kindheit und häufig durch schweren s*xuellen M*ssbrauch.
ach ja, noch was: dissoziative stoerungen koennen in sehr unterschiedlichen formen auftreten, weil jeder, der davon betroffen ist, diese "stoerung" als ueberlebensstrategie praktisch auf sich allein gestellt neu erfindet. deshalb stehen neben diesem versuch einer allgemeinen definition hier noch ein paar sehr persoenliche stellungnahmen zu dem thema.
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Hmmmmmmmmmmm. Mal fuer mich: Ich finds in aller erster linie fuerchterlich anstrengend. "Ich" fuehl mich nicht multipel, ich krieg auch von intern wenig mit. "Ich" kann nur leider mit dem begriff "ich" auch nicht besonders viel anfangen.
Trotzdem habe "ich" mir ueberlegt ob "ich" mir nicht vielleicht einen namen zulegen moechte. Nach dem was wir gelesen haben, waere "ich" Gastgeberin. Da "ich" aber ueber meine Gaeste gar nicht gluecklich bin, und nie gefragt worden bin, ob sie da sein duerfen, ich einfach immer "damit" umgehen muss, fuehl "ich" mich nicht als gastgeberin.
"Leinwand" gefaellt mir. 'ne Leinwand die nicht alles auf sich draufpinseln lassen moechte und in staendigem konflikt mit den diversen kuenstler und kuenstlerinnen steht. 'Ne Leinwand, die totale Angst davor hat, dass niemand draussen sie mehr ankucken mag. 'Ne Leinwand, die versucht, alle brueche ihrer bilder nach aussen zu erklaeren, so dass die draussen die brueche nicht mitkriegen oder sie als ein kuenstlerisches element des filmes ansehen.
Ne Leinwand, die nicht abgehaengt werden mag.
Jepp, Leinwand
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- im alltag stoert mich am meisten mein katastrophal
schlechtes gedaechtnis fuer personen und
erlebnisse. mein leben versinkt hinter mir im nebel. wenn ich
jemandem begegne, brauche ich endlos lange, um festzustellen, ob ich die
person kenne oder nicht. ich habe einmal zehn minuten
neben einer nachbarin auf den zug gewartet,
ehe ich bemerkt habe, dass ich die frau kenne. ich empfinde
begegnungen als bedrohung. ob das ursache oder folge des schlechten personengedaechtnisses
ist, weiss ich nicht. auch die erinnerungen an meine
kindheit tauchen nur als undeutliche schemen und
fragmente aus dem nebel auf.
- meine multipelsten phasen habe ich in intensiven und konfiktbeladenen liebesbeziehungen erlebt. an einem tag habe ich zu der frau gesagt: es ist besser, wenn wir uns trennen, ich weiss sowieso nicht, wieso wir ueberhaupt zusammen sind. am naechsten tag stand ich fassungslos vor dieser trennung und wusste nicht, welche unbegreifliche katastrophe meine grosse liebe und mich auseinander bringen konnte.
in solchen situationen kam dann auch eine stimme
ins spiel, die ich als ziemlich getrennt
von mir erlebt habe. diese stimme pflegte mir anweisungen zu geben,
wie ich mich verhalten muss, um die frau wieder fuer mich zu gewinnen:
"los, traenen! Ja, gut, heul noch mehr, gleich
hast du sie!" zugleich war auch klar, dass
diese stimme die frau dann in die pfanne hauen wollte. aetzend, super
aetzend.
- und dann gibt es noch diese stimme, die immer und immer nur wiederholt: "ich will st*rb*n, ich will st*rb*n... usw, usf."
- naja, aba kleine gibts auch noch. manchmal denkn wir, dass die klein nur eine stimme sind, aber wenn man mit der kleinen stimme spricht, kennt man auf einmal woerter nicht mehr, die den grossen muehelos einfallen. komisch, das.
- ausserdem gibt es noch anne, die lebenslustige ueberkandidelte frau, die bewirkt, dass dieser anatomisch maennliche koerper sich als transvestit verhaelt.
beim schreiben ist mir ein bisschen schlecht geworden. kann an den spiegeleiern liegen, die ich dabei gegessen hab, kann aber auch vom thema kommen. solche koerpersymptome als reaktion auf situationen, gedanken, themen sollen ja auch typisch fuer DID sein...
typisch ist auch noch selbstverletzung. hab ich lange nicht mehr gemacht. aber in den heftigeren phasen fand ich es hilfreich, den kopf gegen die wand zu hauen, oder auf den boden oder so. das drueckte aufkeimende gefuehle wieder runter.
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... manchmal (meistens) ist das so sehr in uns
und unserem Alltag drin, dass man Dissoziation
und einfach so vor sich hin leben nicht mehr unterscheiden kannn.
... heute nachmittag (nachmittag? abend?) hat es
bedeutet, dass uns der Gedanke, in wievielen
Zeitschriftenlaeden wir nach einer bestimmten Zeitschrift gefragt
haben, ziemlich durcheinanderbrachte.
... es kann bedeuten, dass man wenigstens Teile
von Filmen oder anderen Sachen noch beim
X-ten gucken neu entdeckt. (Ist uns auch heute nachmittag mal wieder
passiert)
... dass es kein nennenswertes Namensgedaechtnis
gibt und wir jedes Mal, wenn uns wer (freundlich)
anspricht, erst mal erschrecken: Kennen wir den? Warum kennt
der uns/unseren Namen? und wenn wir die Person dann einordnen koennen,
kommt meist sowas raus wie "das ist die Frau, die
in Politikseminaren immer hinten sass und
Kako trank und XXX gesagt hat".
... dass wir ohne unseren dicken, schwarzen Terminkalender
und unsere diversen Listen voellig verloren
waeren (aber das ist wahrscheinlich schon mehr "was bedeutet
multiple sein"?)
... dass wir sowas wie essen fuerchterlich leicht
vergessen, selbst, wenn wir gerade in einer
Phase sind, wo essen selbst okay ist, und dann auf Leute im Aussen
angewiesen sind (unsern Freund, Freunde/innen und inzwischen haben wir
auch unsere Kollegen da "eingebaut";)
... dass ich manchmal erstaunt feststelle, dass
etwas, das ich gerade machen will, bereits
erledigt ist.
... dass wir ueberhaupt vom Koerper zwischendrin
vielleicht gerade mal die Haelfte mitkriegen
(Verletzungen werden eher zufaellig und zumeist ziemlich verspaetet
bemerkt).
... dass man von der Arbeit aufsteht, irgendwohin
latscht und dann voellig irritiert rumsteht,
weil man inzwischen vergessen hat, was man gerade wollte (und
das kann auch mehrfach hintereinander passieren).
... dass man zwischendurch den Ueberblick verliert,
ob etwas jetzt gerade im Moment passiert,
es gestern passiert ist oder schon vor X Jahren passierte.
... dass Effekte von Dingen, besonders auf
der Koerperebene, z.T. mit jahrelanger Verspaetung
erst fuehlbar werden.
... dass wir so einen Text hier zusammentippen
muessen, um hinterher ein bisschen mehr
darueber zu wissen, was dissoziieren fuer uns ist.
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Dissoziation bedeutet fuer mich Angst, Schutz, Wut, Schuld, Zwiespalt, Verlust.
Die Angst, mich durch das Abspalten wehrlos zu machen, nicht angemessen auf eine Situation reagieren zu koennen, mir selbst etwas anzutun, ohne dass ich das will, mich in gefaehrlichen Situationen wiederzufinden, die ich bei vollem Bewusstsein gemieden haette und letztendlich die Angst davor, dass ich es einmal nicht mehr schaffen koennte, wieder in die Wirklichkeit zurueckzufinden.
Schutz vor Schmerz, vergangenen und jetzigen,
meine Gefuehle auszuschalten, wenn Erlebtes,
Gesprochenes, Gehoertes, Gesehenes
unertraeglich fuer mich werden.
Wut, auf mich, weil ich als Kleine keinen Weg
fand, mich zu wehren, keine Worte, mich
mitzuteilen, keine Stimme, um zu schreien,
Wut auf die T*t*r, die meine Liebe, mein Vertrauen,
meinen Koerper, meine kindliche Welt zerstoert
haben.
Wut, auf die, die mich nicht geschuetzt, mir nicht
geglaubt, nicht zugehoert haben.
Schuld, dass ich das Schweigen gebrochen, Menschen dadurch verletzt, Andenken beschmutzt, Fremde eingeweiht, Wut, habe.
Zwiespalt, gegenueber den T*t*rn, die mich ernaehrt, gekleidet, mir Unterkunft, das Leben gegeben.
Verlust von Vertrauen in mich und andere, der Faehigkeit, mich frei entscheiden zu koennen, von Lebensfreude, eine echte Beziehung leben zu koennen.
6 Teile, die nicht zusammen kommen wollen, mich zerreissen.
"Verschwinden" ist manchmal leichter, ist weniger schmerzhaft und wenn ich einmal nicht mehr auftauche, dann lebe ich in einer anderen Welt vielleicht besser.
Die ganze Nacht sitze ich nun schon hier und meine Gedanken lassen sich nicht stoppen.
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das ist eine fuerchterlich schwierige sache, denn
darueber versuche ich mir seit vielen jahren
klar zu werden. es sind so viele sachen, die da zusammenkommen
und jeder moechte etwas sagen. ich fange einfach mal an, es
kann sein, dass es fuerchterlich wirr wird...
bei mir ist das schon ziemlich lange her, so mindestens
zehn jahre, dass ich die aufspaltung als
ueberlebensstrategie entwickelte. ich wollte einfach
raus, raus aus dieser boesen gemeinen welt, wurde zu jemand anderem,
einer lichtgestalt, dem asexuellen idealtypus. doch meine vergangenheit
holte mich ein. ich konnte nicht die unverletzliche sein, die
ich gerne gewesen waere. ich begann, unterschiedliche dinge unterschiedlichen
anteilen von mir zuzuweisen. das ging erst bewusst, bis
ich siebzehn oder achtzehn war. dann passierte es mir zum erstenmal,
dass die eine etwas getan hatte, wovon die andere
nichts wusste. sie begannen, ein fuerchterliches
chaos in meinem kopf anzurichten da war / ist
zum einen die, die alles im griff hat, mein thrp hat sie ganz unprosaisch
"controller" genannt - der name gefaellt mir zwar nicht, leider
passt er aber. das ist diejenige, die lange schachtelsaetze bildet
und die, die zur zeit die faq uebersetzt. sie ist ziemlich emotionslos.
klar, "die kleinen" gibt es bei mir auch, die haben den ganzen
tag nur bloedsinn im kopf und wenn die einkaufen gehen, gibts viele
suessigkeiten, sie spielen gerne mit stofftieren oder mit goo (einem
superlustigen malprogramm=... mein freund will sich allerdings nicht
damit abfinden, dass ich auch manchmal klein bin, weil er so fuerchterlich
gerne ueber politik u.ae. redet Hmmmmm,
jetzt bin ich gerade ganz klein geworden. Ich muß jetzt ganz dringend
was Anderes machen.:-)
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