Worum geht es hier eigentlich?

Die dissoziative Persönlichkeitsstörung ist eine umstrittene und oft mißverstandene Diagnose.
Um ein bißchen Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir ein paar Definitionen und einige persönliche Erfahrungen mit der Dissoziation zusammengestellt.
Wichtig: Schizophrenie (F20 suchen) ist etwas ganz anderes!


dissoziation.org


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Es handelt sich um Gedächtnisluecken, Zeitverluste, Depersonalisierung, Mehrfachpersönlichkeiten, Unwirklichkeitsgefühle oder ähnliche Symptome. Die voll ausgeprägte Form dieser Störung wird im Diagnosehandbuch ICD 10 der WHO "Multiple Persönlichkeit" genannt. Im amerikanischen Handbuch DSM IV lautet die Bezeichnung Dissoziative Identitaetsstörung (englisch:Dissociative Identity Disorder, DID). Dissoziative Störungen entstehen meistens (oder immer?) durch Traumata, meist in der frühen Kindheit und häufig durch schweren s*xuellen M*ssbrauch.

ach ja, noch was: dissoziative stoerungen koennen in sehr unterschiedlichen formen auftreten, weil jeder, der davon betroffen ist, diese "stoerung" als ueberlebensstrategie praktisch auf sich allein gestellt neu erfindet. deshalb stehen neben diesem versuch einer allgemeinen definition hier noch ein paar sehr persoenliche stellungnahmen zu dem thema.

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Ronja

Hmmmmmmmmmmm. Mal fuer mich: Ich finds in aller erster linie fuerchterlich anstrengend. "Ich" fuehl mich nicht multipel, ich krieg auch von intern wenig mit. "Ich" kann nur leider mit dem begriff "ich" auch nicht besonders viel anfangen.

Trotzdem habe "ich" mir ueberlegt ob "ich" mir nicht vielleicht einen namen zulegen moechte. Nach dem was wir gelesen haben, waere "ich" Gastgeberin. Da "ich" aber ueber meine Gaeste gar nicht gluecklich bin, und nie gefragt worden bin, ob sie da sein duerfen, ich einfach immer "damit" umgehen muss, fuehl "ich" mich nicht als gastgeberin.

"Leinwand" gefaellt mir. 'ne Leinwand die nicht alles auf sich draufpinseln lassen moechte und in staendigem konflikt mit den diversen kuenstler und kuenstlerinnen steht. 'Ne Leinwand, die totale Angst davor hat, dass niemand draussen sie mehr ankucken mag. 'Ne Leinwand, die versucht, alle brueche ihrer bilder nach aussen zu erklaeren, so dass die draussen die brueche nicht mitkriegen oder sie als ein kuenstlerisches element des filmes ansehen.

Ne Leinwand, die nicht abgehaengt werden mag.

Jepp, Leinwand

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Anonym1

- im alltag stoert mich am meisten mein katastrophal schlechtes gedaechtnis fuer personen und erlebnisse. mein leben versinkt hinter mir im nebel. wenn ich jemandem begegne, brauche ich endlos lange, um festzustellen, ob ich die person kenne oder nicht. ich habe einmal zehn minuten neben einer nachbarin auf den zug gewartet, ehe ich bemerkt habe, dass ich die frau kenne. ich empfinde begegnungen als bedrohung. ob das ursache oder folge des schlechten personengedaechtnisses ist, weiss ich nicht. auch die erinnerungen an meine
kindheit tauchen nur als undeutliche schemen und fragmente aus dem nebel auf.

- meine multipelsten phasen habe ich in intensiven und konfiktbeladenen liebesbeziehungen erlebt. an einem tag habe ich zu der frau gesagt: es ist besser, wenn wir uns trennen, ich weiss sowieso nicht, wieso wir ueberhaupt zusammen sind. am naechsten tag stand ich fassungslos vor dieser trennung und wusste nicht, welche unbegreifliche katastrophe meine grosse liebe und mich auseinander bringen konnte.

in solchen situationen kam dann auch eine stimme ins spiel, die ich als ziemlich getrennt von mir erlebt habe. diese stimme pflegte mir anweisungen zu geben, wie ich mich verhalten muss, um die frau wieder fuer mich zu gewinnen:
"los, traenen! Ja, gut, heul noch mehr, gleich hast du sie!" zugleich war auch klar, dass diese stimme die frau dann in die pfanne hauen wollte. aetzend, super aetzend.

- und dann gibt es noch diese stimme, die immer und immer nur wiederholt: "ich will st*rb*n, ich will st*rb*n... usw, usf."

- naja, aba kleine gibts auch noch. manchmal denkn wir, dass die klein nur eine stimme sind, aber wenn man mit der kleinen stimme spricht, kennt man auf einmal woerter nicht mehr, die den grossen muehelos einfallen. komisch, das.

- ausserdem gibt es noch anne, die lebenslustige ueberkandidelte frau, die bewirkt, dass dieser anatomisch maennliche koerper sich als transvestit verhaelt.

beim schreiben ist mir ein bisschen schlecht geworden. kann an den spiegeleiern liegen, die ich dabei gegessen hab, kann aber auch vom thema kommen. solche koerpersymptome als reaktion auf situationen, gedanken, themen sollen ja auch typisch fuer DID sein...

typisch ist auch noch selbstverletzung. hab ich lange nicht mehr gemacht. aber in den heftigeren phasen fand ich es hilfreich, den kopf gegen die wand zu hauen, oder auf den boden oder so. das drueckte aufkeimende gefuehle wieder runter.

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Mischa & Co

... manchmal (meistens) ist das so sehr in uns und unserem Alltag drin, dass man Dissoziation und einfach so vor sich hin leben nicht mehr unterscheiden kannn.
... heute nachmittag (nachmittag? abend?) hat es bedeutet, dass uns der Gedanke, in wievielen Zeitschriftenlaeden wir nach einer bestimmten Zeitschrift gefragt haben, ziemlich durcheinanderbrachte.
... es kann bedeuten, dass man wenigstens Teile von Filmen oder anderen Sachen noch beim X-ten gucken neu entdeckt. (Ist uns auch heute nachmittag mal wieder passiert)
... dass es kein nennenswertes Namensgedaechtnis gibt und wir jedes Mal, wenn uns wer (freundlich) anspricht, erst mal erschrecken: Kennen wir den? Warum kennt der uns/unseren Namen? und wenn wir die Person dann einordnen koennen, kommt meist sowas raus wie "das ist die Frau, die in Politikseminaren immer hinten sass und Kako trank und XXX gesagt hat".
... dass wir ohne unseren dicken, schwarzen Terminkalender und unsere diversen Listen voellig verloren waeren (aber das ist wahrscheinlich schon mehr "was bedeutet multiple sein"?)
... dass wir sowas wie essen fuerchterlich leicht vergessen, selbst, wenn wir gerade in einer Phase sind, wo essen selbst okay ist, und dann auf Leute im Aussen angewiesen sind (unsern Freund, Freunde/innen und inzwischen haben wir auch unsere Kollegen da "eingebaut";)
... dass ich manchmal erstaunt feststelle, dass etwas, das ich gerade machen will, bereits erledigt ist.
... dass wir ueberhaupt vom Koerper zwischendrin vielleicht gerade mal die Haelfte mitkriegen (Verletzungen werden eher zufaellig und zumeist ziemlich verspaetet bemerkt).
... dass man von der Arbeit aufsteht, irgendwohin latscht und dann voellig irritiert rumsteht, weil man inzwischen vergessen hat, was man gerade wollte (und das kann auch mehrfach hintereinander passieren).
... dass man zwischendurch den Ueberblick verliert, ob etwas jetzt gerade im Moment passiert, es gestern passiert ist oder schon vor X Jahren passierte.
... dass Effekte von Dingen, besonders auf der Koerperebene, z.T. mit jahrelanger Verspaetung erst fuehlbar werden.
... dass wir so einen Text hier zusammentippen muessen, um hinterher ein bisschen mehr darueber zu wissen, was dissoziieren fuer uns ist.

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anonym

Dissoziation bedeutet fuer mich Angst, Schutz, Wut, Schuld, Zwiespalt, Verlust.

Die Angst, mich durch das Abspalten wehrlos zu machen, nicht angemessen auf eine Situation reagieren zu koennen, mir selbst etwas anzutun, ohne dass ich das will, mich in gefaehrlichen Situationen wiederzufinden, die ich bei vollem Bewusstsein gemieden haette und letztendlich die Angst davor, dass ich es einmal nicht mehr schaffen koennte, wieder in die Wirklichkeit zurueckzufinden.

Schutz vor Schmerz, vergangenen und jetzigen, meine Gefuehle auszuschalten, wenn Erlebtes, Gesprochenes, Gehoertes, Gesehenes
unertraeglich fuer mich werden.

Wut, auf mich, weil ich als Kleine keinen Weg fand, mich zu wehren, keine Worte, mich mitzuteilen, keine Stimme, um zu schreien,
Wut auf die T*t*r, die meine Liebe, mein Vertrauen, meinen Koerper, meine kindliche Welt zerstoert haben.
Wut, auf die, die mich nicht geschuetzt, mir nicht geglaubt, nicht zugehoert haben.

Schuld, dass ich das Schweigen gebrochen, Menschen dadurch verletzt, Andenken beschmutzt, Fremde eingeweiht, Wut, habe.

Zwiespalt, gegenueber den T*t*rn, die mich ernaehrt, gekleidet, mir Unterkunft, das Leben gegeben.

Verlust von Vertrauen in mich und andere, der Faehigkeit, mich frei entscheiden zu koennen, von Lebensfreude, eine echte Beziehung leben zu koennen.

6 Teile, die nicht zusammen kommen wollen, mich zerreissen.

"Verschwinden" ist manchmal leichter, ist weniger schmerzhaft und wenn ich einmal nicht mehr auftauche, dann lebe ich in einer anderen Welt vielleicht besser.

Die ganze Nacht sitze ich nun schon hier und meine Gedanken lassen sich nicht stoppen.

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Rakaya

das ist eine fuerchterlich schwierige sache, denn darueber versuche ich mir seit vielen jahren klar zu werden. es sind so viele sachen, die da zusammenkommen und jeder moechte etwas sagen. ich fange einfach mal an, es kann sein, dass es fuerchterlich wirr wird...
bei mir ist das schon ziemlich lange her, so mindestens zehn jahre, dass ich die aufspaltung als ueberlebensstrategie entwickelte. ich wollte einfach raus, raus aus dieser boesen gemeinen welt, wurde zu jemand anderem, einer lichtgestalt, dem asexuellen idealtypus. doch meine vergangenheit holte mich ein. ich konnte nicht die unverletzliche sein, die ich gerne gewesen waere. ich begann, unterschiedliche dinge unterschiedlichen anteilen von mir zuzuweisen. das ging erst bewusst, bis ich siebzehn oder achtzehn war. dann passierte es mir zum erstenmal, dass die eine etwas getan hatte, wovon die andere nichts wusste. sie begannen, ein fuerchterliches chaos in meinem kopf anzurichten da war / ist zum einen die, die alles im griff hat, mein thrp hat sie ganz unprosaisch "controller" genannt - der name gefaellt mir zwar nicht, leider passt er aber. das ist diejenige, die lange schachtelsaetze bildet und die, die zur zeit die faq uebersetzt. sie ist ziemlich emotionslos. klar, "die kleinen" gibt es bei mir auch, die haben den ganzen tag nur bloedsinn im kopf und wenn die einkaufen gehen, gibts viele suessigkeiten, sie spielen gerne mit stofftieren oder mit goo (einem superlustigen malprogramm=... mein freund will sich allerdings nicht damit abfinden, dass ich auch manchmal klein bin, weil er so fuerchterlich gerne ueber politik u.ae. redet Hmmmmm, jetzt bin ich gerade ganz klein geworden. Ich muß jetzt ganz dringend was Anderes machen.:-)

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Zuletzt aktualisiert: 17.06.2007